Verbindungskultur – was ist das?

 

Ein kleiner Einblick in die Grundlagen unserer Arbeit

 

“Kleine Gruppen sind die kleinstmögliche Einheit des gesellschaftlichen Wandels.

Peter Block

Alles was ich in der Welt verändern will, beginnt in mir selbst. Doch erst wenn ich mit anderen zusammenkomme, wird es zur Wirklichkeit. Im Zusammensein mit anderen finden wir den Nährboden, auf den wir die Samen unserer inneren Bilder, Intentionen und Sehnsüchte streuen, damit etwas Lebendiges daraus erwachsen kann. Verbindungskultur gestalten bedeutet, diesen Nährboden fruchtbar zu machen.
 

Verbindung zur Natur ist der Rahmen

 

Verbindung zur Natur um uns

Verbindungskultur bedeutet eine ganz klare Ausrichtung auf das Wohl aller Wesen – im Großen wie im Kleinen geht es darum, wieder in Einklang mit den Bedürfnissen und Begrenzungen der natürlichen Welt um uns herum zu finden. Diese gemeinsame innere Ausrichtung stellt – auch wenn wir nicht alle Antworten wissen – notwendige Weichen dafür, Entscheidungen zu treffen und Handlungsweisen zu finden, die allem Leben dienen können.

Die Praxis der Verbindungskultur ermöglicht, miteinander die Sinne zu wecken und auszudehnen, um Natur intensiver, unmittelbarer und tiefer wahrnehmen, spüren und entdecken zu können, uns selbst intensiv als Teil der Lebensgemeinschaft Erde erleben zu können. Durch die Verbindung zur Natur finden wir Freude, Begeisterung, Geborgenheit, Neugier, Trost, Verstehen und Erkenntnisse, sowie eine unendliche Vielfalt von praktisch nutzbaren Rohstoffen, Lebens- und Heilmitteln in der grünen Welt vor unserer Haustür.

Verbindungskultur holt die Natur auch in die Räume hinein – statt perfekt anmutender Inneneinrichtung, die Sachlichkeit und die Notwendigkeit sich anzupassen ausstrahlt, kreieren wir eine Qualität der Lebendigkeit in dem wir etwas Raues oder Weiches, etwas Grünes oder Buntes, etwas von Händen geformtes, etwas Kindliches, etwas mit Feuer oder Wasser oder Luft oder auf eine andere Weise Lebendiges mit in den Raum holen. Damit laden wir die anwesenden Menschen ein, selbst in aller Natürlichkeit dabei zu sein und sich wohl zu fühlen, genauso wie sie sind.
 

Verbindung zur inneren Natur

Wir Menschen sind Natur, durch und durch. Je mehr ich die Natur um mich herum fühle, verstehe, und liebe, desto besser kann ich auch meine innere Natur begreifen, all das was mir in mir selbst begegnet urteilsfrei lieben lernen und nach und nach einen Umgang damit finden, der schöpferisch ist.

Verbindungskultur gestalten bedeutet, Abläufe und Strukturen für Gruppen nach natürlichen Mustern und Rhythmen zu gestalten, im Einklang mit den unterschiedlichen Lebensaltern der Menschen, mit der Jahreszeit, der Tageszeit, mit den Gegebenheiten vor Ort und der innewohnenden Dynamik von Projekten oder Zusammenkünften, die in ihren ganz unterschiedlichen Phasen ebenfalls den Mustern in der Natur folgen.

Als Menschen haben wir viele verschiedene Bedürfnisse, die in den unterschiedlichen Phasen von Projekten und Lebensalltag mal stärker und mal schwächer aktiv sind und unser Handeln lenken. Einen Beitrag für die Gemeinschaft zu schenken oder anders gesagt “zu arbeiten” ist eines davon – viele andere Bedürfnisse wollen jedoch auch bezeugt und gestillt sein, beispielsweise nach Verbindung, Erholung, Innenschau, Kreativität oder Spiel. Die Leistungskraft und der Zusammenhalt einer Gruppe/eines Teams wachsen, indem die Vielfalt der Bedürfnisse im gemeinsamen Rahmen gestillt werden kann.

Als VerbindungsweberIn brauche ich Weitsicht, um meine Gruppe durch die Rhythmen führen und begleiten zu können, denn ich gebe einerseits Halt und Orientierung und tanze gleichzeitig beweglich mit dem, was sich in einem Moment besonderes zeigt. Hierfür nutzen wir vor allem das von Jon Young et al. entwickelte 8 Schilde Modell, ein lebendiges und beständig weiter wachsendes Modell des Lebens, dass sowohl die Orientierung als auch einen beweglichen und kreativen Umgang mit den einzelnen Bestandteilen ermöglicht.
 

Geborgenheit ist die Basis

Jäger-und-Sammler-Kulturen werden von vielen Forschern als durch und durch friedvoll angesehen, sowohl nach Innen, als auch nach Außen, oft sogar im Angesicht immenser jahrhundertelanger Unterdrückung, wie es beispielsweise die Buschleute im heutigen Namibia und Botswana zeigen.

Eine wichtige Säule dieses fortdauernden Friedens ist der konsequent liebevolle Umgang mit den Kindern der Gemeinschaft, der ein Gefühl tiefer Geborgenheit erzeugt. Ähnliches wissen wir auch von unserer Lehrerin Sobonfu Somé, die in der traditionellen Dorfgemeinschaft des als besonders friedvoll bekannten Volks der Dagara in Burkina Faso aufgewachsen war und zeitlebens die Hälfte des Jahres im Kreise ihrer Gemeinschaft dort verbrachte.

Aus der Bindungsforschung ist bekannt, wie weitreichend frühkindliche Erfahrungen mit fürsorglichen und zugewandten erwachsenen Betreuungspersonen sich auf das spätere Beziehungsverhalten des Menschen auswirkt. Ein friedvolles, stabiles Miteinander im Kleinsten bedarf eines gesunden, sicheren Bindungsverhalten. Doch gerade dies ist in westlichen Ländern nicht selbstverständlich.

Verbindungskultur ermöglicht es, hiermit einen konstruktiven Umgang zu finden. Wo früher angenommen wurde, dass in der Kindheit erworbenes ungesundes Bindungsverhalten sich zeitlebens irreparabel auswirke, weiß man heute, dass es Möglichkeiten gibt, dies als Erwachsener zu heilen und gesunde Formen des miteinander in Beziehung seins zu kultivieren, eine Ansicht die beispielsweise der US-amerikanische Spezialist für Zwischenmenschliche Neurobiologie Daniel Siegel vertritt, ebenso wie der Hirnforscher Stephen W. Porges.

Ein wertschätzender und immer wieder willkommen heißender Umgang miteinander, sowie ein offener und verletzlicher Austausch über Gefühle, Emotionen und vor allem persönliche Bedürfnisse sind hierfür essentiell, wie beispielsweise von der kanadischen Sozialforscherin Brené Brown beschrieben wurde. Es gilt dabei, den Menschen in seiner Ganzheit willkommen zu heißen – Privates ebenso zu würdigen wie arbeitsbezogene Themen, Stärken ebenso willkommen zu heißen wie vermeintliche Schwächen, der Lebensgeschichte einer Person, mit den von ihr bewältigten schwierigen Momenten und Phasen, ebenso Raum zu geben wie den Sehnsüchten für die Zukunft, die diesen Menschen im Inneren motivieren.

Inzwischen gibt es zahlreiche Unternehmensberater, die erkannt haben, wie wesentlich Geborgenheit für ein erfolgreiches und produktives soziales Miteinander ist, beispielsweise Frederic Laloux (“Reinventing Organizations”) oder Simon Sinek (“Circles of Safety”).

Verbindungskultur erfordert es, immer wieder ein Gefühl von Geborgenheit miteinander herstellen zu können und als Führungspersonen, können wir die Weichen dafür stellen, einen auf diese Weise “sicheren” Raum zu kreieren und zu erneuern. In diesem sicheren Raum, wo kaum Energie gebraucht wird, um Masken aufrecht zu erhalten, ein geschöntes Selbstbild voreinander zu pflegen oder Fehler und als Schatten empfundene persönliche Eigenheiten zu verbergen, ist es viel leichter, mit Konflikten schöpferisch umzugehen, Herausforderungen mit Humor und Entschlossenheit zu begegnen, versteckte Potentiale zu entdecken, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und wirklich effektiv die gemeinsame Wirk-Kraft zu entfalten.
 

Auf dem Weg zu einer neuen “Ältesten-Kultur”

In einer traditionellen Dorfgemeinschaft erscheint es selbstverständlich, dass es Menschen gibt, die eine Art von “Ältesten-Rolle” inne haben. Eine natürlich gewachsene Gemeinschaft ist undenkbar ohne Älteste, die beständig das Wohl jener Menschen im Sinn halten, die sie vom Säuglingsalter heranwachsen sehen konnten und deren Gesundheit und Glücklichkeit zutiefst verwoben sind mit ihrem eigenen Wohlergehen. In unserer heutigen, stark fragmentierten Zeit sind wir oft zusammengewürfelt in Kontexten wo ein lang gereiftes, intrinsische Verantwortungsgefühl füreinander nicht gegeben ist. Als verbindungswebende Führungskraft sind wir in der günstigen Lage, diese Rolle übernehmen zu können, sowie andere dazu ermächtigen, dies ebenfalls zu tun, vor allem natürlich diejenigen, die aufgrund ihres höheren Alters über eine Menge gesammelter Lebenserfahrung verfügen.
 

Die Generationen wieder verbinden

Die lebendige Verbindung zwischen den Ältesten und den Jüngsten sei es, die einer Gemeinschaft Stabilität schenken würde, so heißt es bei den Dagara in Burkina Faso. Verbindungskultur schaut danach, auf welche Weise diese beiden Gruppen zurück in die Mitte der Gemeinschaft geholt werden können. In vielen, vor allem beruflichen Kontexten scheint dieser Gedanke exotisch – doch wer erlebt hat wie die Anwesenheit eines einzigen Babies einer Gruppe aus Erwachsenen eine vorher nicht dagewesene Realitätsnähe verleiht, der kann sich das Potential vorstellen, das hier möglich ist. Ebenso braucht die Zukunft der Menschheit Kinder, die im intensiven Kontakt mit Ältesten aufwachsen können – mit den Menschen die oftmals mehr Lebenserfahrung haben, weniger Unsicherheiten, mehr Geduld und Gleichmut, mehr Dankbarkeit und im besten Fall sogar mehr Humor und Weisheit.

Auch junge erwachsene Menschen heute profitieren von jemandem, der hinter ihnen steht und auf eine Weise Anker in ihrem Leben sein kann. Neben zahllosen guten Ratschlägen ist oft einfach das bezeugt werden hilfreich und wohltuend, von jemand der schon länger in dieser Welt (über-) lebt, verbunden mit Rückversicherung, Würdigung und Wertschätzung dafür, auf einem guten Weg zu sein.
 

Gemeinsam einen Unterschied machen

Für eine als befriedigend erlebte Gruppen- oder Teamerfahrung ist ein gemeinsames Tun im Außen ebenso bedeutsam wie die nährende Verbindung untereinander. Dabei geht es vor allem darum, zu erleben, wie das Ergebnis des Gemeinsamen so viel mehr sein kann, als die Summe all seiner Bestandteile. Die Synergie zwischen den ganz unterschiedlichen Gaben und Begabungen der einzelnen Menschen ermöglicht ein Hochgefühl, das auf der persönlichen Ebene oft als lebensverändernd erlebt wird.

Ein wichtiger Aspekt davon ist es, gemeinsam etwas Gutes in der Welt zu erschaffen, das dem persönlichen Wertesystem der einzelnen Gruppen- oder Team-Mitglieder entspricht. Im Innern scheinen wir alle zu wissen, dass wir die Welt nicht allein verändern können, sondern einander dringend dafür brauchen, weil eine kleine Gruppe von Menschen eben die kleinstmögliche Einheit für gesellschaftlichen Wandel ist, wie es der Organisationsberater Peter Block beschrieben hat.

Dies kann besonders dann gut gelingen, wenn die Gruppe Spielfeld und Spiegel für die Gaben des einzelnen sein kann und wenn der Fokus auf den gemeinsamen Potentialen und Möglichkeiten liegt. Nur in der Gemeinschaft können wir erfahren, was es bedeutet, als Mensch unter Menschen auf der Erde lebendig zu sein. Indem wir erleben, wie viel wir bewegen, können wir eine Ahnung davon bekommen, was vielleicht unsere Aufgabe als gesamte Menschheit für den Planeten Erde sein könnte.
 

Hilfreiche Strukturen die natürlich wachsen und reifen

 

Halt und Beweglichkeit

Verbindungskultur ermöglicht es, dass jedes Mitglied eines Teams oder einer Gruppe eine klar definierte Rolle erhält, die Orientierung und Halt schenkt, und es erleichtert, sich als essentiellen und notwendigen, gebrauchten Teil des Gesamten zu empfinden. Gleichzeitig schenkt sie ein hohes Maß an Selbstbestimmung und Gestaltungsfreiheit innerhalb der Rollen. Die Organisationsforscher Bellmann & Ryan haben dieses Prinzip als “gerade ausreichende Strukturen” beschrieben. Insofern ermächtigt Verbindungskultur auch dazu, mit konkret anfallenden Aufgaben beweglich umzugehen, so dass ein schöpferischer Tanz möglich wird, zwischen den Menschen und dem was zu tun ist. Auf diese Weise werden viele Konflikte und Blockaden von vornherein vermieden und es entsteht ein weiter Raum für Kreativität und Innovation.

Gemeinschaft entsteht Mensch für Mensch für Mensch

Jede Kette ist nur so stabil wie ihr schwächstes Glied oder: In jedem Kreis kann ich nur soweit vertrauen, wie ich jedem einzelnen Menschen in diesem Kreis vertrauen würde. Gemeinschaft erwächst immer aus der Verbundenheit zwischen allen einzelnen Mitgliedern einer Gruppe. Verbindungskultur ermöglicht deshalb Strukturen, innerhalb derer diese so kostbaren eins zu eins Verbindungen entstehen, genährt und erneuert werden können.
 

Innere Ausrichtung und Achtsamkeit

Verbindungskultur bedeutet, immer wieder Werte ins Zentrum zu stellen. Wenn ich weiß, was mir zutiefst am Herzen liegt, wofür ich gehe, wofür ich lebe, brauche ich nicht alle Entscheidungen mit meinem bewussten Verstand zu durchdenken, der nur einen Bruchteil der jederzeit mich umgebenden Sinnesreize erfassen, deuten und in zielführendes Handeln übersetzen kann. Durch das von Herzen kommende Aussprechen klarer, wertebasierter Intentionen (im Gegensatz und ergänzend zu mit dem Verstand festgelegten konkreten Zielen) kann ich meiner Intuition Türen und Tore öffnen, innere Führung einladen und erfahren wie es ist, wenn sich das was ich einlade auf jeden Fall einstellt – manchmal auf überraschende Weisen die ich bewusst nicht einmal hätte planen können.

Diese Art von zukunftsweisender Verbindung zum eigenen Selbst (oder Selbstkenntnis) wird erleichtert durch einen hohen Grad an Kohärenz – einen Zustand der Einigkeit zwischen Körper (beispielsweise Pulsschlag und Atmung), Gedanken und Emotionen. Verbindungskultur nutzt eine Vielfalt von Methoden zur Herstellung, Stärkung, Vertiefung und zeitlichen Ausdehnung von Kohärenz-Zuständen, die man auch als inneren Frieden bezeichnen könnte. Dadurch wird es Individuen erleichtert, die jeweils bestmöglichen Entscheidungen zu treffen, auf alle inneren Ressourcen (Empathie, Selbstliebe, Impulskontrolle, bewusste Wahrnehmung der eigenen Emotionen und feinen Signale des Körpers, Kreativität usw.) zugreifen zu können und ihre eigene Intuition zu spüren. Diese Methoden, bei denen DankbarkeitWertschätzung und auch das Ausdehnen unserer Sinneswahrnehmung eine wichtige Rolle spielen, lassen sich leicht in den (Berufs-)Alltag integrieren und sie fördern neben dem individuellen Wohlbefinden ein Handeln das auch im Außen lebensfördernd und im Einklang mit dem Wohle aller Wesen ist.

Durch das bewusste vertraut werden mit den Zuständen des inneren Friedens wächst zudem der achtsame und verantwortliche Umgang mit Momenten, wo Stress und innerer Konflikt präsent sind, sowie das Vermögen einander konstruktiv zu begleiten und zu unterstützen in den Momenten, wenn wir selbst gerade nicht “in unserer Mitte ruhen”.
 

Konflikte in schöpferische Momente verwandeln

Konflikte können Quellen für dringend gebrauchten und sehr befriedigenden Wandel sein – wenn sie mit Achtsamkeit genutzt werden. Es sind die ungehörten Stimmen in uns selbst oder in der Gemeinschaft, die sich laut zu Wort melden, wenn etwas nicht mehr “stimmig” ist, etwas anderes gebraucht ist. Verbindungskultur begünstigt es grundsätzlich, dass viele dieser Bedürfnisse gestillt und ausgedrückt werden können, ohne dass dies auf eine konflikthafte Weise erfolgen muss. Trotzdem sind Reibungen und Auseinandersetzungen unvermeidbar und ein wichtiger Teil des menschlichen Zusammenlebens.

Verbindungskultur sucht und erforscht Möglichkeiten dafür, sogar im Konflikt in wachsender Verbundenheit voneinander und über einander zu lernen. Auf den Spuren der Peacemaking-Traditionen der Konföderation der Haudenosaunee in Nordamerika, eines der ältesten Friedens-Bündnisse in der Geschichte der Menschheit, das bis heute bewahrt und lebendig ist, sowie anderen, neuzeitlichen Herangehensweisen an friedvolle Kommunikation, arbeitet sie mit Grundsätzen, Methoden und Strukturen, die ein “in Frieden sein” mit sich selbst und mit einander erleichtern. Dabei scheinen die tiefsten Konflikte oft das größte Heilungs- und Wachstumspotential in sich zu bergen.
 

Das schöpferische Potential von Sprache

Ein bewusster Umgang mit Sprache ist ein wichtiger Schlüssel für nachhaltigen Wandel hin zu einer lebensfördernden Kultur, denn Worte haben die Kraft, Wirklichkeit zu erschaffen und zu verändern. Verbindungskultur lädt eine große Ehrlichkeit im Selbstausdruck ein, die gleichzeitig das eigene wie auch das Wohlergehen des anderen im Auge behält und unterstützt. Im Zentrum der Kommunikation stehen Bedürfnisse, die universell menschlich sind und uns alle verbinden, deren nicht gestillt sein an der Wurzel jedes Konfliktes schlummert und in denen ein Potential für neue, gesündere Lösungen darauf wartet, gehoben zu werden. Aktives Mitgefühl mit sich selbst und dem Gegenüber kann die Tür dafür auftun, diese Bedürfnisse deutlicher spüren und annehmen zu können und damit in die Verantwortung dafür zu treten, dass sie auf eine konstruktive Weise gestillt werden können.
 

Ein fürsorgliches Miteinander

Hierin liegt Potential für kulturellen Wandel: Statt miteinander über Forderungen, Belohnung und Strafe zu interagieren, stärken wir durch das einander zeigen, was wir brauchen, das zutiefst menschliche Bedürfnis und Vermögen, von innen heraus, in Freiheit einander Gutes zu schenken und dabei uns selbst mit unseren innewohnenden Gaben zu verwirklichen und zu entfalten.
 

Mit Humor

Humor ist ein essentieller Bestandteil von Verbindungskultur. In Jäger-und-Sammler-Kulturen wurde Humor dazu genutzt, jedes Aufkeimen von Macht einzelner über die anderen lächerlich zu machen und somit den Sinn für die Gleichwertigkeit innerhalb der Gemeinschaft zu erhalten. Angesichts von Unterdrückung ist Humor auch in der modernen politischen Welt ein wichtiges Ventil, um die eigene geistige Gesundheit zu erhalten. Ein bewusster Umgang mit unterschwelligen Privilegien und Machtstrukturen ist hierbei besonders wichtig. Die Gewissheit, einander trotz unterschiedlicher Rollen im Gefüge auf Augenhöhe begegnen zu können, erleichtert es jedem Mitglied einer Gruppe, sich offen und authentisch zu zeigen.

Achtsam verwendeter Humor ist außerdem ein kraftvoller Weg, in Konfliktsituationen Entspannung zurück zu holen und wieder in Verbindung miteinander zu kommen.
 

In Einigkeit handeln

Menschen können als Gruppe oder Gemeinschaft einen Zustand von sozialer Kohärenz erreichen, der mit einem tiefen Gefühl von Einigkeit einher geht, bei der jedes Individuum sich als vollkommen und authentisch er oder sie selbst empfindet und gleichzeitig lebendig verbunden mit dem gesamten Kreis. Aus der Geborgenheit jedes einzelnen miteinander erwächst ein Gefühl großer Wirkkraft, indem wir eine gemeinsame Ausrichtung finden und mit vereinten Kräften dafür gehen.

Verbindungskultur nutzt verschiedene Methoden für das Synchronisieren innerhalb von Gruppen. Wenn wir beispielsweise gemeinsam singen, werden dabei nicht nur Endorphine sondern auch Bindungshormone freigesetzt und sogar die unterschiedlichen Herzrhythmen können sich aneinander angleichen. Es entsteht ein erhebendes und beglückendes Gefühl ähnlich wie Teil eines Vogelschwarms zu sein, wenn eine Gruppe in Einigkeit ein Projekt plant und umsetzt.

Voraussetzung dafür ist es, immer auch den leisesten Stimmen Gehör zu schenken und das kreative Potential der kritischen Standpunkte in den Entscheidungsprozess zu integrieren, so dass alle Beteiligten wirklich authentisch hinter den getroffenen Entscheidungen stehen können. Was zunächst vielleicht aufwendig erscheint, ermöglicht der Gruppe ein Weitergehen mit voller Kraft voraus. Ein klarer Umgang mit den eigenen Bedürfnissen und die Fähigkeit zwischen den eigentlichen Bedürfnissen und den oftmals stärker präsenten und in Gesprächen vertretenen Strategien zu deren Erfüllung (auch bekannt als “Plan A”) unterscheiden zu können, helfen dabei, eine Lösung zu finden, die ein größtmögliches Erfüllen aller Bedürfnisse aller von der Entscheidung Betroffenen beinhaltet.

Indem es ein Teil der gemeinsamen Ausrichtung ist, bei den Entscheidungen auch die Bedürfnisse der anderen Wesen und der zukünftigen Generationen einzubeziehen, kann das gemeinsame Handeln zusätzlich Wirkkraft erhalten und sich in Richtung wachsender Nachhaltigkeit weiter entwickeln.

All diese Aspekte sind eine Auswahl dessen, was wir unter Verbindungskultur verstehen und was unsere Arbeit kennzeichnet.

Möchtest du mehr davon wissen, verstehen und ausprobieren?  Arbeitest du selbst mit Gruppen oder Teams oder möchtest dich darauf vorbereiten? Dann bist du herzlich eingeladen zu unserem Verbindungskultur für Führungskräfte Training!